Stand: 2. November 2026
Die Eisbahn Stellingen ist seit September 2025 gesperrt. Wann sie wieder genutzt werden kann, ist laut NDR "völlig offen". Die Stadt hat den Standort nach eigenen Angaben aber noch nicht aufgegeben (NDR, 13.10.2026).
Warum die Eisbahn geschlossen ist
Anfang September 2025 untersagte das Bezirksamt Eimsbüttel den Betrieb wegen akuter Mängel an der Dachkonstruktion (Behörde für Inneres und Sport, 24.10.2025). Nach Angaben des Bezirksamts kam ein Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Membran des Zeltdachs nicht mehr trägt und im schlimmsten Fall ein Einsturz droht. Bezirksamts-Sprecher Kay Becker sagte dem Hamburger Abendblatt: "Ein Weiterbetrieb ist nicht mehr verantwortbar" (zitiert nach t-online, 07.09.2025). Das Gutachten selbst ist nicht veröffentlicht.
Überraschend kam das nicht. Schon im Mai 2025 berichtete Entwicklungsstadt, das Dach sei laut Gutachtern "in einer schlechten Gesamtverfassung" und eine Schließung gelte als jederzeit möglich (Entwicklungsstadt, 05.05.2025).
Was mit dem Dach geschieht
Im April 2026 teilte die Pressestelle des Bezirksamts mit, dass das Dach abgerissen werden soll. Der Abriss der Membran könne wegen der aufwendigen Sonderkonstruktion bis Ende 2026 dauern, die Planung liegt beim Gebäudemanagement Hamburg (GMH). Danach wäre die Anlage bei passendem Wetter als Freilufthalle nutzbar (Eimsbütteler Nachrichten, 13.04.2026). Ob die Arbeiten begonnen haben, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
Die mobile Eisfläche in Eidelstedt
In der Saison 2025/26 gab es einen Ersatz für die Vereine: eine mobile Eisfläche von 56 x 26 Metern auf dem Grand-Fußballplatz am Steinwiesenweg, in Betrieb seit dem 1. Dezember 2025 und vorgesehen bis Ende März 2026 (HSV, 02.12.2025). Sie hatte kein Dach und war für Training und Spiele der Vereine gedacht. Öffentliches Eislaufen war dort nicht vorgesehen (Entwicklungsstadt, 27.10.2025). Die Petition "Rettet den Eissport in Hamburg" spricht von ständigen Spielausfällen.
Für 2026/27 sollte am selben Ort eine überdachte Anlage entstehen, die Stadt stellte dafür laut NDR etwa 1,5 Millionen Euro bereit. Die Ausschreibung lief bis zum 1. Oktober 2026 und sah den Spielbetrieb ab dem 15. November 2026 vor (TendiGo, 18.09.2026). Es meldete sich kein Unternehmen, die Anlage wird nicht gebaut (NDR, 13.10.2026).
Die Sportbehörde weist die Kritik daran zurück: Sie habe die Ausschreibung mit dem Eissportverband erarbeitet und Geld bereitgestellt, aber kein Unternehmen gefunden, das die Fläche bauen wollte.
Laut den Ausschreibungsunterlagen sollte die Stadt die Eisfläche samt Kältetechnik kaufen und sie danach dauerhaft an einem "Endstandort Hamburg-Stellingen" weiterverwenden. Das zeigt die Planung im September 2026. Was daraus nach der gescheiterten Ausschreibung wird, ist nicht bekannt.
Der geplante Neubau
Langfristig plant die Stadt im Sportpark Eimsbüttel, zu dem die Anlage gehört, zwei getrennte Neubauten. Das GMH stellte das Konzept im Mai 2025 der Bezirksversammlung vor: Dort, wo heute der Kombibau steht, würde eine Radrennbahn mit Dreifeld-Sporthalle entstehen, auf dem Parkplatz eine Eissporthalle (Eimsbütteler Nachrichten, 22.05.2025). Vorgesehen waren 1.800 Quadratmeter Eisfläche und Tribünen für bis zu 800 Menschen.
Die Kosten wurden grob auf rund 105 Millionen Euro geschätzt, auf Basis der Baupreise von 2024. Mit einem Baubeginn war frühestens nach sieben Jahren zu rechnen, die Finanzierung war offen (Entwicklungsstadt, 05.05.2025). Im April 2026 befand sich der Neubau weiter in der Planungsphase. Einen Baubeschluss oder einen Termin haben wir nicht gefunden.
Wen die Schließung trifft
Für die Crocodiles, den HSV, den Altonaer Schlittschuhläufer-Verein und die Hamburg Sailors steht in dieser Saison nur die Eishalle Farmsen zur Verfügung. Laut den Sailors sind dort beim Training teilweise 60 Kinder gleichzeitig auf dem Eis, viele Teams weichen zum Training nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus (NDR, 13.10.2026).
Auch der Bahnradsport ist betroffen. Die Bahn ist laut Radsport-Verband Hamburg die einzige überdachte Außenbahn in Norddeutschland, 2026 gibt es dort keine Öffnungszeiten (Radsport-Verband Hamburg). Nach dem Dachabriss wäre bei passendem Wetter wieder Training für Kinder und Jugendliche möglich, nationale Wettkämpfe aber nach Einschätzung der Verbandspräsidentin nicht (Eimsbütteler Nachrichten, 13.04.2026).
Wer früher einfach zum Schlittschuhlaufen kam, ist ebenfalls betroffen: Die Stadt will in Farmsen mehr Zeiten für die Vereine reservieren, der öffentliche Eislauf dort wird dadurch deutlich eingeschränkt (NDR).
Was die Politik sagt
Im Oktober 2025 nahm die Bürgerschaft einstimmig einen Antrag von SPD und Grünen an: Der Senat sollte die Kosten einer mobilen Eisfläche prüfen und die Vorplanungen für den Neubau einleiten, dafür sollten bis zu 125.000 Euro aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2030 bereitstehen (Eimsbütteler Nachrichten).
Nach dem Aus für Eidelstedt verlangt die CDU-Bürgerschaftsfraktion mit einer Kleinen Anfrage Aufklärung, unter anderem dazu, warum die Ausschreibung nicht angepasst wurde (NDR, 13.10.2026). Der CDU-Abgeordnete Sandro Kappe fordert, eine temporäre Eisfläche in den Messehallen oder an einem anderen Standort zu prüfen (sandrokappe.de, 23.10.2026). Die Antwort des Senats haben wir noch nicht gefunden.